Drei-Häuser-Gruppe

Entwurf:1903 - 1904Fertig­stellung:1904

Künstler:Joseph Maria Olbrich (1867 – 1908)

Als einziges Wohngebäude der Aus­stellung der Künstler­kolonie 1904 entstand Ecke Stiftstraße und Prinz-Christians-Weg ein aus drei Häusern bestehendes Ensemble. Der Bauherr war auch hier Groß­herzog Ernst Ludwig, entworfen wurde die Wohnhaus­gruppe von dem Arch­itekten Joseph Maria Olbrich als Beispiel künstler­isch gestalt­eter Eigenheime „für den nicht überreich bemittelten Bürger“. Das „Blaue Haus“ und das „Holz­giebel­haus“, standen nach Fertig­stellung zum Verkauf, das „Graue Haus“ diente als Dienst­wohnung für den Hofprediger Hermann Graf Keyserling, der dort seine „Schule der Weisheit“ etablierte.

Die Wohnhäuser, im Innern getrennt voneinander und mit jeweils separatem Eingang, wurden auf dem un­regel­mäßig ge­schnittenen Grundstück so aneinander­gerückt, dass sie von außen ein Ganzes bildeten, sich aber durch die unter­schiedlichen originell gestalteten Giebel deutlich voneinander unter­schieden.

Die architekt­onische Eigen­ständig­keit dieser Muster­häuser wurde jedoch äußerlich durch gestalter­ische Mittel verdeckt. So wurden die blau­glasierten Ziegel des „Blauen Hauses“ über den Eingang des Eckhauses hin weiter­geführt. Die für dieses Gebäude charakter­istischen vertikalen rotbraunen Klinker­bänder wiederum setzten sich am Eckpavillon des benach­barten „Grauen Hauses“ fort.

Alle drei Häuser waren von Gärten umgeben, die ohne trennende Zäune ineinander übergingen.

Das Blaue Haus

Das nach Westen gerichtete giebel­ständige Wohnhaus wurde dekorativ mit blau glasierten Backsteinen verkleidet, die zuweilen mit einer ein­gepräg­ten stilisier­ten Rose ornamental belebt sind. Die übrigen Wandflächen waren weiß verputzt. Ein weißer mit Schwüngen überdachter Erker im Westen wurde der blauen Fliesenwand vorgesetzt und korres­pondierte mit dem stark profilier­ten prägnanten weißen Giebel. Im Norden wurde das Haus mit einem halbrunden Erker für den Hauseingang und das Treppenhaus erweitert. Der prägnante Giebel, der westliche Erker und einige Teile der Fassade sind kriegs­bedingt verloren, der Wieder­auf­bau erfolgte vereinfacht.

Das Holz­giebel­haus (Eckhaus)

Der das Eckhaus prägende Giebel wurde durch vertikale Holzbalken gegliedert, deren verputzte Felder dazwischen in goldgelber Ornamentik dekoriert waren. Darunter betonte ein breit­gelagerter Erker mit ge­schwungener Überdachung das heimelige Ambiente. Die Dachschräge nach Westen schmückte ein Wappen­ornament aus farbigen Ziegeln, die weiß verputzen Hauswände wurden durch vertikale braunrote Klinker­lisenen betont. Mit dem hölzernen Dekor, der orange­gelben Farbgebung und dem vor­gezogenen Dach ließ das Holz­giebel­haus an ein Schweizer Landhaus erinnern.

Das Wohnhaus ist trotz kriegs­bedingter Beschädigungen auch im Innern bis zum ersten Ober­geschoss erhalten, die Außenmauern mit den Klinker­lisenen, die Eingangs­situation sowie die in Schwüngen gemauerte Einfriedung sind ebenfalls erhalten.

Das Graue Haus

Das dem Straßen­verlauf ent­sprechend etwas zurück­gesetzte Prediger­haus präsent­ierte sich mit einem hoch auf­strebenden ge­schwungenen Giebelfeld. Der rote Sandstein und die rau verputzen grauen Flächen standen in dekorativem Kontrast zu den weißen Fenster­rahmen. Zwei von Daniel Greiner gestaltete Seraphim zierten den nach Süden gerichteten Giebel. Eine Haustür aus Bronze mit einem Relief von Ludwig Habich entsprach der würdigen Bestimmung dieses Hauses. Die „Schule der Weisheit“ wurde unter nationalsozialistischer Herrschaft ge­schlossen, das Haus 1944 stark beschädigt und die Ruine durch einen simplen Neubau ersetzt.